Kurz vor den Sommerferien habe ich einen anderen Blog eingerichtet, der als Austauschplattform für alle Schülerzeitungen der anderen UWC fungieren soll. Bisher geschah der Textverkehr im Hintergrund, aber es ist viel einfacher das online zu tun und gleichzeitig können noch viele andere Menschen mitlesen.
Viele Texte aus der UWC-Welt sind nun also hier zu finden.
Im August befindet sich immer nur eine Generation im Atlantic College, was die Zeit sehr besonders werden lässt. Der Kampus ist relativ leer, die Schulstunden verkürzt, aber dafür hat man jeden Nachmittag sehr anstrengenden Service (s.o.). Nach einem Jahr des Trainings auf unseren ILB-Booten habe ich seit wenigen Tagen nun selbst die Ausbildung von den neuen Firstyears übernommen, was eine ganz andere Erfahrung ist. Neben Universitätsbewerbungen und Internal Assessments gilt es die neuen Firstyears einzuweisen, was bisher auch ganz gut zu gelingen scheint. Auch die Aktivitäten haben nach der Sommerpause wieder begonnen und ich bin gespannt, ob man Plan einen Spielfilm in AC zu drehen, gelingen wird. Vorerst ist jedoch die akademische Arbeit dominierend und das wird sich wohl auch nicht so schnell ändern.
Für mich als Jugend-debattiertler war das Format “Jugend und Parlament” eher eine Enttäuschung, denn wie im wahren Leben der Politik ging es auch bei dieser Simulation nicht primär um Inhalte, sondern um Macht und Mehrheiten.
Als zugeloster Abgeordneter der Liberalen Reform Partei, das Planspielpendent zur FDP, war ich ein Vertreter einer Oppositionspartei und wir hatten reichlich Mühe unseren Ideen Gehör zu verschaffen. Ich war im Ausschuss für Umwelt und Reaktorsicherheit aktiv und habe deswegen in der Dritten Lesung zur neuen EU-Feinstaubverordnung Stellung genommen. Meine kurze Rede ist hier zu finden, wenn man weiter unten auf der verlinkten Seite auf “Jugend und Parlament 2007″-Zweite und Dritte Lesung klickt. Wer sich drei Stunden Reden sparen will, kann bis 3:04:40 vorspulen. Dort bin ich unter dem Decknamen Simon Klaas zu sehen.
Der letzte Schultag der 2nd-Years wird für die meisten Firstyears zu einer grausamen Erfahrung, denn die angestaute Liebe der 2nd-Years zu ihren Schützlingen, wird in der Nacht vor dem Last Day of Codes of furchtbarste Weise zum Ausdruck gebracht. Um ca. 5:00 Uhr in der Frühe wurden alle deutschen Firstyears von ihren jewiligen Secondyears aus dem Schlaf gerissen - teilweise mit Hilfe von ungeheuerlichen Wasserpistolen - und zum Friedhof geführt. Dor angekommen mussten wir verschiedensten gruppendynamischen Befehlen folgen. Zum Beispiel wurde eine Co-Year aus Berlin aufgefordert unverzüglich auf den Boden zu fallen. Des Weiteren haben wir uns auch stimmtechnisch betätigt und mit dem singen von Disharmonien für 5 Minuten alle Vögel im Umkreis von drei Kilometern unverzüglich zum Schweigen gebracht. Fast hätten uns die Secondyears an jenem Morgen auf dem Friedhof vergessen, weil sie sich bis auf wenige Ausnahmen in recht zweifelhaften Konditionen befanden. Allerdigns konnten wir dann noch mit Müh und Not, Tobasco-Sauce und Orangensaft an der Seafront bei Sonnenaufgang getauft werden. Krönender Abschluss bildete ein Bad im Pool. Selbstverständlich bekleidet und danach ein sehr heiteres Frühstück in der Dining Hall.
Am lezten Samstag hat das letzte Amnesty International Street Theatre fuer diesen Term stattgefunden. Beim ersten Mal haben wir gegen die Mauer im Nahen Osten demonstriert, jetzt ging es um Guantanamo Bay auf Kuba und die menschenrechtwidrigen Behandlungen der Internierten durch die US-Regierung. Eine beeindruckende Zahl von 108 Schuelern hat sich am Protest beteiligt und mit der Polizei kam wenig spaeter sogar BBC um sich ein Bild von der aufgewuehlten Cardiffer Einkaufsmeile zu machen. Waehrend viele Briten eine Ausweitung Guantanamos forderten, gab es auch eine ganze Menge von Leuten, die sehr willig waren Amnestys Petition, die die Schliessung von Guantanamo fordert, zu unterzeichnen. Die anwesenden Polizisten waren auch auf meine Nachfrage hin, nicht bereit die Petition zu unterschreiben. Dabei sollten sie ja eigentlich als Repraesentanten einer rechtsstaatlichen Nation, die sich auf Internationalem und Europaeischen Menschenrecht gruendet, als erstes ein Zeichen gegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit setzen.
Am Sonntag, 25.3.2007, hat der alljährliche Atlantic College 10k(ilometer)-Lauf stattgefunden. Ungefähr 150 AC-Schüler und ca. 400 Menschen aus ganz Britannien hatten sich am morgen im Schloss eingefunden. Verschiedene Aktivitäten nutzen den Lauf für Fundraising. EIn Schüler aus Patagonien hatte bspw. auf sich wetten lassen. Er hat den 10k als erster AC-Schüler beendet und sein Patagonienprojekt war damit am Ende um 300 Pfund reicher. Die Helden von ILB haben ein Boot mitgeführt und ein aktionistischer Amerikaner hat meine deutsche 2nd-Year Lea die gesamte Strecke auf dem Rücken getragen. Zu meiner eigenen Überraschung bin ich schon als sechster AC-Mensch im Ziel angekommen.
Am heutigen Donnerstag, 29.3.2007, und am Freitag findet im Tyth Barn, dem Kunst- und Kulturzentrum auf unserem Kampus, die Atlantic College International Show statt. Die International Show ist eines der wenigen Events zu denen auch die Außenwelt den Kampus besucht. Malia aus den USA und ich haben im Auftrag von der “Save the Children”-Aktivität am College die besten Passagen der National Evenings des vergangenen Jahres präsentiert. Natürlich war auch ein Deutscher Sketch dabei. Jedes Jahr spielt die International Show ca. 1500 Pfund ein, die der “Save the Children”- Organisation zu Gute kommen.
So sieht es aus wenn ein Spanier, Pammi aus Hong Kong, Anna aus Italien und natürlich ich, versuchen HARIBO für Biologie herzustellen. Zwar entsteht eine geleeartige Masse, aber es riecht nocht sehr abstoßend. Aber es ist ja noch kein Meister vom Himmel gefallen…
Am nächsten Donnerstag beginnt die AC-Projektwoche, wo etwas Zeit ist für Schulexterne Unternehmungen. Zusammen mit ca. 40 anderen begeisterten und sehr mutigen (denn unser Gesang ist noch suboptimal) Sängerinnen und Sängern werde ich am Freitag nach Wien und Graz in Österreich aufbrechen, wo wir an verschiedenen Orten auftreten. Insgesamt verbringen wir 7 Tage dort. Andere Projekte führen nach Marokko, in die walisischen Berge oder nach Mallorca. Es gibt aber auch eine großzahl von Projekten die auf dem Kampus oder in der Nähe stattfinden.
Der Atlantic College Tour Choir 2007 im Hauptquartier der Vereinten Nationen in Wien.
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Ich
Seit diesem Sommer besuche ich (Valentin Jeutner) das United World College of the Atlantic in Wales und lebe im legendären TICE-Haus! Fragen und Kommentare können gerne an Valentin@valentinjeutner.de gesendet werden. Auf diesem Blog werden in unregelmäßigen Abständen, aber recht häufig ein paar Berichte vom Leben an diesem aufregenden Ort erscheinen. Auch die Bildersammlung wird stetig erweitert - ein Besuch von Zeit zu Zeit kann also nicht schaden.